„Mütterpanzer“ zum Schulanfang – Ein Plädoyer fürs Abrüsten im Straßenverkehr

Von Jessica - Letzte Änderung: Donnerstag, 8. August 2013

Neulich bin ich in einem Internetforum auf einen mir bis dato unbekannten Begriff gestoßen: „Mütterpanzer“. Was der Schreiber mit diesem Begriff meint, lässt sich seit Donnerstag tag täglich wieder an an zahlreichen Schulen in Niedersachsen beobachten. Es mag gut gemeint sein, dass Eltern ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule fahren, Kinder sind im Straßenverkehr ja besonders gefährdet. Nun sind es aber gerade jene Verkehrsteilnehmer im „Mütterpanzer“ (der meinen Beobachtungen nach genauso gut „Väterpanzer“ heißen könnte), die für viele Kinder eine Gefahr darstellen. Da wird in aller Hektik kurz vor dem Schulgong (oder gar danach) möglichst dicht vor das Schultor gefahren – wen interessiert schon, ob ein anderes Kind auf dem Rad oder zu Fuß Vorfahrt gehabt hätte. Da wird in zweiter oder dritter Reihe gehalten – ist ja nur ganz kurz, um das eigene Kind rauszulassen und mit ein paar lieben Worten und einem Kuss zu verabschieden. Dass für Kinder, die nicht gefahren werden, so die Verkehrssituation vor der Schule nur noch unübersichtlicher und damit gefährlicher wird – egal, die hätten sich ja von ihren Eltern fahren lassen können…

Zugegeben, das ist es wohl doch nicht ganz, was in den Köpfen dieser Eltern vorgeht. Und Meckern nützt auch nichts – auch wenn mein Sohn und ich auf dem (Fuß- bzw. Rad-)Weg zum Kindergarten im Bereich unserer örtlichen Grundschule regelmäßig wegen der vielen Eltern-Autos in kritische Situationen geraten. Jede Familie wird Gründe dafür haben, weshalb sie diese Art des Schulwegs wählt. Doch es wäre schön, wenn der Schulanfang – und nicht erst ein schwerer Unfall – zum Anlass genommen würde, diese Gründe zu hinterfragen. Denn: Der Weg zu Fuß oder mit dem Rad bietet für alle Seiten Vorteile: Die Bewegung an der frischen Luft macht munter und zugleich das lange Sitzen in der Schule (oder im elterlichen Büro) anschließend erträglicher. Gut für die Figur ist sie auch noch. Die Kinder lernen durch die anfängliche elterliche Begleitung ganz nebenbei, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen. Dürfen sie nach der begleiteten Übungszeit die ersten Male alleine losziehen, wächst außerdem das Selbstbewusstsein – auch wenn zuvor noch genörgelt wird. Gesunde Kinder schaffen zu Fuß oder mit dem Rad locker auch auf den ersten Blick „unzumutbare“ Wege von zwei oder drei Kilometern. Man muss es ihnen nur zutrauen. Eine Menge Benzin und damit Geld wird so über den Monat auch gespart.

Das Gleiche gilt mit Einschränkungen auch für Kindergartenkinder. Und bei denen kommt noch ein ganz dicker Pluspunkt hinzu: Der Weg ist ein echtes Abenteuer, hinter jeder Ecke warten tolle Überraschungen. Auf unserem Weg heute Morgen war’s ein Bagger, der ein Haus abriss. Staunende Augen beim Räuberkind waren garantiert… Macht doch viel mehr Spaß als im Auto sitzen!

Geschrieben in Mutti ärgert sich